Diana Versteege - SHEcommerce - A-COMMERCE

Diana Versteege – SHEcommerce

Diana Versteege von SHEcommerceFrauen ticken anders als Männer – das ist eine klare Tatsache, die wir jeden Tag beobachten können – auch im Einkaufsverhalten, egal ob nun offline oder online. Gerade im eCommerce Bereich, der doch zu einem Grossteil aufgrund des Warenangebots auf das weibliche Geschlecht abzielt, wird dieser Fakt leider immer noch ignoriert.

Inzwischen gibt es jedoch sogar einen eigenen Fachbegriff für die weibliche Einkaufsform: SHEcommerce. Mir selbst waren die Unterschiede lange nicht bewusst, bis ich mich mit einigen Spezialisten zu diesem Thema lange auseinandergesetzt habe – und da diese Einblicke sehr spannend waren, freut es mich, euch heute Diana Versteege zu diesem Thema im A-COMMERCE Interview präsentieren zu dürfen.

1. Diana, was kann man sich unter dem Überbegriff SHEcommerce vorstellen – der ein oder andere hat diese Bezeichnung schonmal gehört, was ist darin alles enthalten?

Dazu möchte ich gerne ein bisschen weiter ausholen, damit es für die Leser verständlicher wird. Ich bin schon seit fast 10 Jahren im E-Commerce selbständig tätig, habe mehrere Onlineshops gegründet und erfolgreich verkauft. In dieser Zeit habe ich bereits mit meiner eCommerce Beratung angefangen und musste feststellen, dass der eCommerce doch sehr männlich geprägt ist, die wichtigen Entscheidungen für und in den Onlineshops werden von Männern getroffen. Oft wird die Zielgruppe dabei teilweise oder auch komplett ausser Acht gelassen, leider. Vielfach ist es so: Kunden = Zielgruppe = Käufer im Onlineshop (egal ob männlich oder weiblich). Es gibt keinen Unterschied in der Ansprache der Zielgruppe, weder auf der einzelnen Shopseiten oder in der Kommunikation und das finde ich sehr bedenklich.

Vor 2.5 Jahren habe ich dann die SHEcommerce GmbH gegründet. SHEcommerce orientiert sich am Denken und Handeln der weiblichen Zielgruppe und rückt die Kundin in den Mittelpunkt der Aktivitäten. Durch die Zusammenarbeit mit meinen Kunden, lernen sie ihre weibliche Zielgruppe kennen und besser verstehen!

Frauen wissen gezielter um die Bedürfnisse anderer Frauen. Ich helfe meinen Kunden die andere, weibliche Sichtweise einzunehmen um diese Zielgruppe zu erreichen. Mit den SHEcommerce Female Facts (curiosity, simplicity, add value, persusion, relationship, beauty, be social, seriousness) bekommt der Kunde ein gutes und besseres Verständnis hierfür. Die Female Facts sind die Grundlage für mein Geschäftsmodell und werden sowohl in Kundenprojekten mit dem Kunden als auch von mir persönlich gelebt.

Meine Kunden bekommen durch meine langjährige eCommerce Erfahrung den Blick von außen, Branchen- und Markenübergreifend.

2. Wie bzw. in welchen Bereichen unterscheidet sich nun das Shopping-Verhalten von Frauen online zu dem von Männern?

Die genetische Information von Männern und Frauen ist zu über 99% identisch. Es gibt eine geringe Abweichung von weniger als einem Prozent. Aber dieser geringe Unterschied wirkt sich auf jede einzelne Zelle unseres Körpers aus. Von den Nerven die Lust und Schmerzen übertragen, bis zu den Neuronen, die Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle übertragen. Und natürlich auch im Shopping-Verhalten. Im Gehirn der Frauen spielen sich beim Einkaufen sehr viel komplexere Dinge ab als bei den Männern. Der Prozess der Kaufentscheidung bei Frauen ist länger und hat auch mehrere Etappen. Das ganze ‚drumherum’ nimmt bei Frauen eine entscheidende Rolle ein, noch bevor sie den ‚Kaufen’ Button klickt. Doch wenn sie sich einmal entschieden hat, sind die Warenkörbe oft grösser.

3) Aufgrund deiner Beschreibung sehen wir, dass es doch sehr grosse Unterschiede zum Teil gibt – wie soll nun mit den unterschiedlichsten Anforderungen umgegangen werden? Bei klar Frauen-Fokussierten Shops ist eine Anpassung ja noch recht einfach, wie aber wäre deine Idee für Shops, die sich klar an beide Geschlechter richten (zb. Sport-Shops)

Es gibt Kleinigkeiten mit grossem Potenzial, die Onlineshops ändern könnten um jede Zielgruppe korrekt anzusprechen wie z.B. die korrekte Ansprache im Newsletter. Big-Data ist in aller Munde, doch ich frage mich manchmal was mit diesen Daten, ausser sammeln gemacht wird.

Statt die Preise in den Vordergrund zu stellen, die Kundin zum Kauf zu ‚drängeln’ kann auch über die Inspiration sehr viel mehr erreicht werden. Eine Möglichkeit über den Austausch der Produkte ist wichtig oder kommunizieren sie die MehrWerte für ihren Kunden. Vielfach ist die Produktsuche noch zu kompliziert und Frauen sind schlicht überfordert. Auch die Checkouts können optimiert werden. Es gibt unzählige Anpassungen die auf der Seite direkt stattfinden können. Und wenn sie die weibliche Zielgruppe korrekt abholen, dann machen sie bei den Männern nichts falsch.

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4) Gibt es deiner Erfahrung nach Änderungen, die Händler auch schon eher schnell und einfach vornehmen können, um beim weiblichen Zielpublikum besser zu punkten?

Schnell und einfach geht leider nicht 😉 Jeder Händler ist anders, ganz individuell und somit sind auch die Kunden unterschiedlich. Wichtig ist es genau hinzuschauen, wer ist diese Zielgruppe und wie kann ich sie erreichen. Allgemein könnte man sagen, das die Kaufentscheidung der Kundin nicht vorrangig aufgrund des Produktpreises erfolgen sollte. Es ist wichtig das Onlineshops eine klare Positionierung und ein exzellentes Einkaufserlebnis mit herausragenden Service und Funktionen für eine hohe Kundennähe und –bindung schaffen. In der Beratung ist es mein Ziel, diese unzähligen Möglichkeiten aufzuzeigen und das ungenutzte Umsatzpotenzial abzuschöpfen

5) Wenn du dir etwas für die eCommerce Branche wünschen dürftest, was wäre das?

Es wird ein Wertewandel weg vom immer schneller-besser-weiter geben. Neue Rollenbilder entstehen, alte gehen. Zufriedenheit wird in Zukunft anders definiert werden und dabei spielt für die weibliche Zielgruppe die (direkte) Kommunikation und das Beziehungsmarketing eine grosse Rolle. Für die eCommerce Branche würde ich mir wünschen, dass sie diesen Wertewandel beachten, hinschauen und hinhören mit dem Blick für das Ganze.



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