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Maximilian Rabl – windeln.de

Kategorie: Interviews

Geschrieben von Stephan Grad

Maximilian Rabl – windeln.de

Maximilian RablGerade in unserer umkämpften Branche wird es immer schwieriger, eine Nische zu finden und diese dann auch erfolgreich zu bearbeiten – windeln.de hat es jedoch geschafft und ist inzwischen in Europa der führende Online Shop im Bereich Kleinkind-Bedarf. Der breiten Öffentlichkeit gegenüber ist windeln.de vor Allem durch den IPO im Mai 2015 bekannt geworden und auch wir haben uns mit dem Shop in den letzten Wochen aufgrund des Shoptests intensiv gewidmet.

Es freut ich daher überaus, heute Maximilian Rabl, den Prokurist der windeln.de AG und Leiter des Shops windeln.de bei uns im Interview begrüssen zu dürfen.

1.Max, du bist seit einem halben Jahr bei windeln.de an Bord und warst dafür auch für andere eCommerce PurePlayer tätig, kennst daher die Branche in & auswendig— was macht ihr im Vergleich zu vielen anderen PurePlayern im eCommerce anders bzw. richtig?

Ob wir mehr richtig machen als Andere beurteilen Kunden durch ihre täglichen Einkaufsentscheidungen. Die Zahlen der letzten Monate mit Wachstumsraten von über 80% zeigen mir, dass wir auf einem guten Weg sind. Was uns von den meisten anderen größeren und wachstumsstarken Online-Shops unterscheidet, ist unser Produktportfolio. Auch wenn der Anteil der FMCG, der schnelldrehenden Konsumgüter, inzwischen unter 50% gesunken ist, liegt er doch deutlich höher als bei anderen mir bekannten Shops. Der niedrigen Rohmarge dieser Produkte stehen zahlreiche Vorteile gegenüber: geringe Retourenquoten, schnelle Lagerdrehung und loyale, immer wiederkehrende Kunden.
Der Umgang mit Daten ist eine weitere Besonderheit unseres Unternehmens. Wir haben zahlreiche Business Intelligenz Tools im Einsatz, sodass wir unsere Entscheidungen datengestützt treffen können und die Ergebnisse fortlaufend im Auge behalten können. Zudem ist es unser Kredo, Dinge mittelfristig soweit wie möglich zu automatisieren. Beispielsweise bestellen wir bei allen größeren Lieferanten wöchentlich. Die entsprechenden Bestellmengen berechnen wir auf Grund von Daten wie Abverkauf, Lieferzeit und Lieferantenperformance automatisch mit intern entwickelten Algorithmen.

2.Gerade in eurer Branche ist es sehr wichtig, die Kunden vom ersten Kontakt-Momentan an emotional an das Unternehmen zu binden – wie geht ihr dabei vor? Ihr seid ja auch auf den sozialen Netzwerken sehr aktiv, und habt bereits eine breite Community.

Natürlich sind wir auf Facebook und weiteren Social Media Kanälen aktiv und bemühen uns dort, mit unseren Kunden in einen Dialog zu treten, also nicht, wie z.B. im E-Mail-Marketing eine Ein-Weg-Kommunikation. Das gelingt uns auch ganz gut. Ungeachtet dessen bin ich aber überzeugt, wahre Kundenbindung kommt von den richtigen Produkten, einem guten Preis und reibungslosen Prozessen. Ich hoffe nicht einmal Amazon selbst würde das Einkaufen dort als emotionales Erlebnis bezeichnen. Trotzdem sind sie der größte eCommerce Player der westlichen Welt und es gibt kaum eine Branche, in der sie nicht Markführer sind. Selbst im Bereich Mode, wo Emotionalität sicherlich eine größere Rolle spielt als bei Windeln und Kinderwagen, sind sie nach neusten Zahlen die Nummer zwei in Deutschland, also auch nicht gerade eine Außenseiter.

3.Zappos in Amerika hat schon vor vielen Jahren damit begonnen, anhand der Kundendaten seine Kunden zu tracken – sobald jmd im System erfasst wurde, konnte man anhand des Lifecylces immer wieder neue Produkte zur jeweiligen Lebenssituation anbieten – das wird heutzutage als Big Data / Intelligent Data bezeichnet und ist für viele mittelständische eCommerce Unternehmen immer noch ein Buch mit 7 Siegel – wie ist das bei euch?

Wie oben angesprochen, haben Daten bei uns einen hohen Stellenwert. Vor allem im Customer Relation Management, wo wir mit zahlreichen – meist E-Mail-basierten – Maßnahmen versuchen, Kunden entsprechend ihrem Kaufverhalten bestmöglich zu betreuen und zum Widerkauf zu animieren, ist das wichtig. Ein Anteil von über 80% der Bestellungen, die von Wiederkäufern getätigt werden, spricht hier für sich. Zudem haben wir mit unseren Produkten natürlich den Vorteil, dass wir die Bedürfnisse der Kunden basierend auf dem Alter der Kinder gut abschätzen können. Mit sieben Monaten kauft man die Babytrage, mit 16 Monaten den Buggy – und nach ca. 24 Monaten den Schwangerschaftstest wenn es an die Planung des zweiten Kindes geht.

4.In der Branche hält sich ja seit Langem das Gerücht, dass es wenige Unternehmen abseits von Rocket Internet gibt, die so sehr auf die Prozess-Optimierung versessen sind wie windeln.de ist – stimmt das? Sind bis auf den letzten Punkt optimierte Prozesse Teil oder gar Grundstein eures Erfolgs?

Der Vergleich ehrt und wie ich oben gesagt habe, da ist auf jeden Fall etwas Wahres dran. Bei unseren Produkten und ihren geringen Margen ist auch nicht viel Platz für Verschwendung. Insofern stimme ich dir zu, dass es ein wichtiger Teil unseres Erfolgs ist.

5.Gemäss deiner Einschätzung – welcher eCommerce Teilbereich wird von den meisten mittelständischen Online Händlern zu wenig beachtet bzw. wo gibt es den grössten Bedarf an Professionalisierung?

In der öffentlichen Wahrnehmung – und meiner Meinung nach auch von bei vielen neuen Online Händlern – werden glaube ich vor allem die operativen Kosten unterschätzt. Natürlich haben Online Händler geringere Mietkosten und durch wenige zentrale Lagerstandorte meist einen geringeren Lagerbestand als stationäre Geschäfte. Dafür gibt es bei uns keine Selbstbedienung. Jede einzelne Kundenbestellung erzeugt manuellen Zusatzaufwand und daher Kosten. Mit Selbstbedienungskassen wie sie Spar, Ikea und andere gerade testen, fällt der letzte zwingende manuelle Arbeitsschritt zur Erfüllung eines Kaufs im stationären Handel. Das Packen und Zustellen von Paketen hat aber noch nicht einmal Amazon komplett automatisieren können. Zusammen mit der Erwartung, dass Hin- und Rücksendungen kostenlos sind, ergibt das enorme Kosten, die der Kunde nicht bezahlt, sondern die über die Produktmarge erwirtschaftet werden müssen. Und die ist in Zeiten von Preisvergleichsportalen und Google Shopping enorm unter Druck.

Kurz, ich glaube es ist sehr leicht einen Online-Shop zu starten, aber sehr schwierig, ihn nachhaltig profitabel zu führen.

6.Gut ausgebildete Mitarbeiter sind das Rückgrat eines erfolgreichen Unternehmens – wie geht ihr in diesem Punkt vor, bildet ihr eure Mitarbeiter selbst aus?

Das ist – gerade auch in München – sehr schwierig. Die besten Mitarbeiter haben hier eine große Auswahl an tollen Unternehmen und gerade für Spezialisten- und Leistungspositionen suchen wir manchmal länger als uns lieb ist.

Wichtig ist hierbei meiner Meinung nach ein guter Mix aus externen Einstellungen und der Weiterentwicklung interner Leute. So hat beispielsweise unsere Kundenservice Leiterin als Werkstudentin bei uns angefangen und leitet jetzt ein Team von fast 30 Leuten. Auf der anderen Seite gibt es Leute wie unseren Operations Leiter, der lange bei Siemens gearbeitet hat. Intern entwickelte Mitarbeiter sind meist sehr loyal und intern gut vernetzt, von extern kommende Mitarbeiter wissen oft mehr die Vorteile eines kleineren gerade-nicht-mehr Startups wie windeln.de zu schätzen.

7.Wenn du einen Wunsch für unsere Branche frei hättest – was wäre das?

Dass nicht ständig behauptet wird, wir wären die Zerstörer des stationären Handels. Der Kunde entscheidet, wo er seine Wünsche am besten erfüllt sieht, und es liegt an uns – Online-  sowie Offlinehändlern – uns zu bemühen, dies zu tun.

Über Maximilian Rabl

gebürtiger Salzburger, Studium Ingenieurwesen und Jus in Wien und Italien. Berufseinstieg in der Fahrzeugentwicklung bei Audi, danach drei Jahre Berater bei der Boston Consulting Group und MBA bei INSEAD in Frankreich. 2011 Wechsel in den E-Commerce, zuerst als Leiter Operation bei limango, dem größten Shoppingclub für Familien in Deutschland, und seit 2014 bei der windeln.de AG Deutschlands größtem Online Händler für Baby- und Kleinkindbedarf. Dort zuständig für die Businessunit windeln.de.

Über den Autor

Mit dem Satz "How hard can it be" lässt sich die Arbeitsweise von Stephan Grad am Besten beschreiben: Moderne eCommerce & Digitalisierungs Strategien werden mit Innovations-Anspruch sowie Hands On Mentalität erarbeitet und anschliessend in mittelständischen Unternehmen in ganz Europa implementiert. Durch die professionelle Arbeitsweise, welche zukunftssichere Lösung für Kunden ermöglicht, hat Stephan A-COMMERCE zu einer der führenden Marken im Bereich eCommerce & Digitalisierung in Europa gemacht.

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