Interviews

Philipp Hainzer – Rework.de

Kategorie: Interviews

Geschrieben von Stephan Grad

Philipp Hainzer – Rework.de

Philipp HainzerEs gibt sehr viele Bereiche im eCommerce, die mit Kosten für den Online Händler verbunden sind – und gerade für kleinere Online Händler ist es dann schwierig, aufgrund der „geringen“ Transaktionszahlen gute Konditionen auszuverhandeln.

In vielen Industriebereichen gibt es schon Einkaufsverbände, um genau den Vorteil der geringen Kosten auch an kleine Unternehmen weiterzugeben – das hat es bis dato im eCommerce noch nicht gegeben. Nun hat Philipp Hainzer sich dieses Problems angenommen und Rework ins Leben gerufen – da er hier Vorreiter am eCommerce Markt in der D-A-CH Region ist, haben wir ihn gleich zum Interview geladen.

1. Hallo Philipp, du gehst mit Rework den Weg einer Einkaufsgemeinschaft / Einkaufsgenossenschaft – ein Geschäftsmodell welches schon einige Jahre alt ist, aber in unserer digitalen Welt noch nicht vertreten ist – wie kamst du auf die Idee für Rework und wie ist deine Zielsetzung?

Die Idee für Rework ist mir vor knapp einem Jahr eingefallen, als ich selber einen Online Shop gründen wollte. Wie nahezu alle (angehenden) kleinen Online Händler stellte ich mir die Frage, wie ich zu wettbewerbsfähigen Konditionen z.B. im Paketversand komme. Ich recherchierte eine Weile und fand für dieses Problem keine optimale Lösung.

Also grübelte ich selber darüber und kam auf eine branchenübergreifende Idee. In der Hotellerie, in welcher ich (dank meiner Eltern) aufgewachsen bin, ist das Konzept einer Einkaufsgemeinschaft „alteingesessen“ und hat sich erfolgreich bewährt, indem es den Einkauf von kleinen und mittleren Hotels optimiert und maßgebliche Einsparungen erzielt werden.

2.  Wie du schon richtig erwähnst, ist im Online Handel eine Einkaufsgemeinschaft noch Neuland. Aber gerade diese Branche eignet sich super dafür, da es zahlreiche kleine Online Händler gibt (über 90% aller Händler in Österreich sind Kleinst- bzw. Kleinunternehmen bzw. haben weniger als 10 Mitarbeiter). Zusammengefasst ergeben die „kleinen“ Einkaufsvolumen der Händler einen sehr großen Anteil am gesamten eCommerce Markt, wodurch hohe Einsparpotenziale erreicht werden können.

Mein Motto lautet: Wenn es etwas nicht gibt, dann mache es selbst. Und so gründete ich Rework, die smarte Einkaufsgemeinschaft für Online Händler. Unser oberstes Ziel ist die Optimierung des Einkaufs für kleine Online Händler. Wir streben dabei eine Optimierung in Preis (u.a. bessere Konditionen, Bonifikationen), Zeit (u.a. fertige Verträge, einfache Abrechnung) und Qualität (u.a. selektiere Lieferanten, Know-how) an. Die Mitgliedschaft ist für Online Händler kostenlos. Wir finanzieren uns durch Umsatzprovisionen. Dadurch ergibt sich eine WIN-WIN-WIN Situation für Mitglieder, Lieferpartner und Rework. Zusätzlich motiviert uns das dazu, unser Angebot ständig im Sinne der Mitglieder weiterzuentwickeln und zu verbessern.

3.  Gerade in Österreich sehen wir, dass auch bei den kleineren Händlern leider noch viel Unwissen über Notwendigkeiten, aber auch Möglichkeiten im Logistik oder Payment Bereich – helft ihr hier auch in beratender Funktion weiter? Dafür müsst ihr ja die Fähigkeiten & Dienstleistungen eurer Partner sehr intensiv kennen

Die beratende Funktion gehört natürlich auch zu unserem Service. Eine persönliche und langfristige Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist uns wichtig. Daher kennen wir die Fähigkeiten und Leistungen unserer Partner sehr gut. Gerne geben wir unser Know-how an die Mitglieder weiter und beraten sie diesbezüglich.

Wie wir ja wissen, ist die eCommerce Branche andauernd in Bewegung und es kommen ständig neue Lösungen und Produkte auf den Markt, was schnell für Verwirrung sorgen kann. Wir nehmen es uns zur Aufgabe kontinuierlich nach neuen und innovativen Lösungen für unsere Mitglieder zu recherchieren. Wir legen viel Wert darauf, dass unsere Mitglieder jederzeit Up-to-Date sind und durch einen gewissen Informationsvorsprung am eCommerce Markt profitieren.

4.   Erzähl unseren Lesern doch bitte einmal in welchen Bereichen ihr schon tätig seid und wie das Dienstleistungsportfolio in den kommenden Jahren noch ausgebaut werden soll? Wollt ihr auch abseits des PureeCommerce noch weitere Bereiche zukünftig abdecken?

Wir spezialisieren uns grundsätzlich auf B2B-Leistungen – also das „Runderherum“ des Online Shops. Dazu zählen wir u.a. Logistik, Software, Marketing, usw. Wir verzichten bewusst auf B2C-Produkte (z.B. iPhone Zubehör, Kosmetikartikel), da hier der Bedarf für jeden Online Händler unterschiedlich ist. Wir starten im Juni in Österreich mit dem Paketversand und werden unser Angebot kontinuierlich erweitern. Der Start in Deutschland ist Ende 2015 geplant. Die Erweiterung des Portfolios richtet sich in erster Linie auf die Bedürfnisse der Mitglieder. In Zukunft sind u.a. folgenden Leistungen möglich: Shoplösungen, Softwarelösungen (CRM, ERP, Buchhaltung, Faktura etc.), Marketing (SEO, SEM, PR, Webdesign etc.), Versicherungen & Rechtsschutz, Zahlungsanbieter, diverse Online-Tools (z.B. Telefon- & Büroservice), Fullfillment, Hosting uvm.

Anfangs liegt der Fokus im Pure-eCommerce. Jedoch sind Lösungen, welche den Online Handel mit dem stationären Handel „verbinden“, für uns zusätzlich von Bedeutung. Daher lassen wir das Thema offen und warten ab in welche Richtungen wir uns entfalten.

5.  Wir wissen ja leider, dass die Österreichischen Händler bei innovativen Lösungen immer eher länger zuwarten als es die Marktbegleiter in Deutschland oder der Schweiz tun – wie geht es euch beim Thema Kunden – wer sind die Vorreiter?

Ganz ehrlich: Als ich mich für den Start in Österreich entschieden habe, hatte ich ähnliche Bedenken. Die größte Befürchtung war, dass das Angebot nur zögernd angenommen wird und die kritische Mitgliederanzahl, welche für einen erfolgreichen Start nötig ist, nur schwer erreicht werden kann.

Ich sage dir, die Befürchtungen waren umsonst – ich lag damit TOTAL falsch. Meine positivsten Erwartungen wurden mehr als übertroffen und ich bin so richtig stolz darauf. Es ist, als würden die österreichischen Online Händler schon länger auf eine Einkaufsgemeinschaft warten. Aktuell haben wir bereits über 80 Mitglieder in Österreich…und das schon bevor es so richtig los geht mit Rework!

Ich denke, die Zeit für neue Ideen am österreichischen eCommerce Markt ist gekommen und möglicherweise liegt es auch daran, dass die Händler offener für neue und innovative Konzepte werden.

6.   Wenn du einen Wunsch für den Österreichischen eCommerce Markt frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Einen eCommerce Gründerboom in Österreich. Dazu gehört das Vertrauen in die eigene Idee und mehr Mut diese auch in die Wirklichkeit umzusetzen. Gerade für Gründer gibt es enormes Potential am österreichischen Markt, wenn man bedenkt, wie hoch der Anteil des eCommerce Umsatzes ist, welcher an ausländische Online Shops fließt. Also warum das Geschäft anderen überlassen, wenn wir meiner Meinung nach selber das Zeug dazu haben: Online Shops made in Austria – und wenn Rework einen kleinen Teil dazu beitragen kann, geht mein Traum in Erfüllung!

Oder kurz gesagt: Ein „Silicon-Valley Fieber“ mit hoher Ansteckungsgefahr auf die gute österreichische Art 😉

Über den Autor

Mit dem Satz "How hard can it be" lässt sich die Arbeitsweise von Stephan Grad am Besten beschreiben: Moderne eCommerce & Digitalisierungs Strategien werden mit Innovations-Anspruch sowie Hands On Mentalität erarbeitet und anschliessend in mittelständischen Unternehmen in ganz Europa implementiert. Durch die professionelle Arbeitsweise, welche zukunftssichere Lösung für Kunden ermöglicht, hat Stephan A-COMMERCE zu einer der führenden Marken im Bereich eCommerce & Digitalisierung in Europa gemacht.

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