Hat eCommerce eine Zukunft?

Kategorie: News

Geschrieben von Stephan Grad

Hat eCommerce eine Zukunft?

Die Handelswelt hat sich in den letzten Jahren substantiell verändert – Unternehmen, welche heute ihren Kunden keine Möglichkeit geben, online Waren und Dienstleistungen zu kaufen, verschwinden vom Markt – daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Zahlen aus der eCommerce Branche jedem Investor und Wirtschaftsanalysten die Tränen in die Augen schießen lassen – vor Freude.

Jahr für Jahr wurden zweistellige Wachstumsraten in ganz Europa erzielt, und dank billigen Investoren-Geldern wurden Konzerne aufgebaut, welche Milliardenumsätze Jahr für Jahr verbuchen können, siehe Rocket Internet.

Aber wie geht’s weiter – was bringt uns die Zukunft im eCommerce?

Nüchtern betrachtet ist der Peak im Bereich B2C eCommerce Ende 2016 erreicht – die wenigsten PurePlayer können wirklich substantiell Geld mit dem Online Business verdienen – die Technologie der Shop-, Warenwirtschafts- & PIM Systeme entwickelt sich jedes Jahr immer schneller weiter, und heutige Standard-Shopsysteme wie Magento 2 oder Shopware 5 bieten out-of-the-box Features an, für die man vor 5 Jahren sechsstellige Summen an Agenturen hat bezahlen müssen.

Damit sinkt natürlich die Einstiegshürde in den Online Handel – die Folge daraus ist, dass mehr und mehr Händler versuchen durchzustarten … was bleibt, ist ein Preiskampf, der immer mehr auch in anderen Branchen Einzug hält.

Dass es in der Consumer Electronics Branche inzwischen normal ist, mit Preis-spannen von 3-5% zu kalkulieren, erstaunt niemanden mehr – doch dieser Wahnsinn stößt von Woche zu Woche in weitere Bereiche vor. Im Gegenzug verteuern sich die Ausgaben für SEO & SEA kontinuierlich, da jeweils die Top 10 der Sparte auf ähnliche bzw. gleiche Keywords setzen und somit die Marketing-Preise treiben.

Natürlich verändert sich auch das Shopping-Erlebnis der Konsumenten – der Wechsel hin zu Mobile Shopping hat sich bereits weitestgehend durchgesetzt, bis auf wenige Branchen ist der Mobile Shopping Anteil im Weihnachtsgeschäft 2015 schon über die 50% Hürde gesprungen.

2016 wird im B2C Bereich wegweisend

shutterstock_157217147Somit beginnt am Markt die Bereinigung – immer öfters hört man davon, dass Online Händler ihre Pforten schließen müssen, aber auch bei den Dienstleistern sind Unternehmensfusionen inzwischen an der Tagesordnung, innovative Unternehmen werden von den Großen geschluckt, um entweder fehlendes Know How über unsere Branche einzukaufen, oder Konkurrenz einfach vom Markt zu nehmen.

Es werden langfristig jene Unternehmen überleben, welche den größten Kapitalpolster im Hintergrund haben, um eben nicht Opfer von Übernahmen zu werden und auch den Kampf um die besten Köpfe der Branche gewinnen zu können.

Negativer Ausblick?

Genau diese Entwicklung war dringend notwendig – es war nicht mehr möglich, alle Teilbereiche unserer Branche am Leben zu erhalten, denn durch sinkende Deckungsbeiträge sind Händler gezwungen, ihre Prozesse bestmöglich zu automatisieren und somit eine schlanke Kostenstruktur zu erhalten.

Den größten Vorteil hieraus ziehen Hersteller, die bis dato über ihr Retailer-Netzwerk gewachsen sind und nun im Zwiespalt stehen: Entweder mit den altbewährten Partnern langsam dem Untergang entgegen gehen, oder auf den Direktvertrieb setzen und somit den Untergang der Beziehung zu den Retailern in Kauf zu nehmen.

Und genau diese „Learnings“ sind es, die uns nun im neuen, aufstrebenden Bereich des eCommerce – dem B2B Bereich zu Gute kommen werden.

B2B – Digitalisierung der kompletten Geschäftsprozesse

Egal ob man nun diesen Bereich „B2B eCommerce“ oder „Digitalisierung 4.0“ nennt, das Ziel ist das Selbe: Automatisierung der internen und externen Geschäftsprozesse, um so weit wie möglich manuelle Eingriffe zu vermeiden. Durch die Digitalisierung sowie Vernetzung vieler Prozesse / Maschinen sowie der Kunden und Lieferanten wird es Unternehmen in Zukunft möglich sein, wesentlich effizienter zu arbeiten, gleichzeitig aber auf Sonder-Wünsche von Kunden oder schnell wechselnde Markt-Trends Rücksicht zu nehmen und somit das Überleben der Unternehmen langfristig zu sichern.

eCommerce – quo vadis? 

Mein Fazit: Wie schon in vielen Wirtschaftsbereichen haben wir in den letzten Jahren die Hochkultur in unserer Branche erlebt; es war eine unfassbar spannende Zeit, in der Ideen einfach umgesetzt werden konnten; viele StartUps zu Unicorns wurden und damit ihre Investoren unfassbar reich gemacht haben.

2016 wird das letzte Jahr dieser Entwicklung im eCommerce Umfeld meiner Meinung nach sein! Denn schön langsam setzen sich die Gesetze des Marktes durch und die ersten Investoren werden in diesem Jahr erkennen, dass Umsatz und Deckungsbeitrag zwei vollkommen unterschiedliche Kennzahlen sind und langfristig nur ein positiver Deckungsbeitrag das Überleben auch im eCommerce sichern kann. Es werden jedoch nicht die innovativsten Unternehmen überleben, sondern diejenigen deren Kapitaldeckung hoch genug ist, um feindliche Übernahmen abzuwehren und auch zukünftig die hellsten Köpfe der Branche bezahlen zu können.

Ich bin auf die Zukunft gespannt – denn ab diesem Jahr wird sich unsere Branche komplett neu erfinden müssen! (sg)

Über den Autor

Mit dem Satz "How hard can it be" lässt sich die Arbeitsweise von Stephan Grad am Besten beschreiben: Moderne eCommerce & Digitalisierungs Strategien werden mit Innovations-Anspruch sowie Hands On Mentalität erarbeitet und anschliessend in mittelständischen Unternehmen in ganz Europa implementiert. Durch die professionelle Arbeitsweise, welche zukunftssichere Lösung für Kunden ermöglicht, hat Stephan A-COMMERCE zu einer der führenden Marken im Bereich eCommerce & Digitalisierung in Europa gemacht.

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