Lohnt sich eine Migration auf Magento2?

Kategorie: News

Geschrieben von Ana-Maria Birsan

Lohnt sich eine Migration auf Magento2?

Das ist wohl die Kernfrage schlechthin, die sich die etwa 240.000 Magento1-Onlineshops weltweit in den kommenden Monaten und Jahren stellen werden müssen. Das Problem dabei ist, dass es hier keine klare und eindeutige Antwort gibt, ob und ab wann eine Migration Sinn ergibt. Logisch erscheint natürlich immer, dass ein neues System mit neuen Funktionalitäten attraktiv erscheint. Allerdings sind die Umfeld-Faktoren wie Anbindungen an Umsysteme (ERP, CRM, usw.) zu beachten, infrastrukturelle Anforderungen an die IT, Knowhow-Aufbau der EDV-Mitarbeiter, usw. Die Umfänge und Aufwände für ein solches Vorhaben sind jedoch nicht zu unterschätzen.

Einen groben Überblick über den technischen Migrationsprozess nach einer erfolgten Entscheidung gibt die folgende Grafik.

Ab wann lohnt sich Magento2?

Hilfreich, zur Beantwortung dieser Gretchenfrage ist sicherlich die Betrachtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln und anhand der notwendigen Rahmenbedingungen für eine Migration.

Rahmenbedingungen für eine Migration

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Migrations-Überlegung ist, ein migrierbares System von Magento1 herzustellen. Denn nur Magento Community Edition (CE) 1.6, 1.7, 1.8, und 1.9 sowie die Enterprise Edition (EE) 1.11, 1.12, 1.13 und 1.14 erlauben ein Upgrade. Der Grund dafür ist unter anderem, dass die Datenbank-Migrationsskripte erst ab diesen Versionen funktionieren.

Die Migration betrifft im Wesentlichen 4 Teile:

  • Daten
  • Erweiterungen (Extensions)
  • Themes
  • Anpassungen (Customizations)

Einen kurzen Überblick gibt Magento unter http://devdocs.magento.com/guides/v2.0/migration/bk-migration-guide.html. Für die Migration der Daten hat Magento ein Migrations-Tool geschrieben und veröffentlicht (http://devdocs.magento.com/guides/v2.0/migration/migration-migrate.html). Dieses transferiert Produktdaten, Kundendaten, Bestellungen , Webshop-Konfigurationen, usw. nach Magento2.

Bei den Extensions sieht die Sache leider anders aus. Durch die strukturbedingten Veränderungen von Magento2 gegenüber Magento1 sind hier keine Upgrade-Tools verfügbar. Laut Magento sollen zum Erscheinungstermin (General Availability) von Magento2 die Extensions im Magento Connect verfügbar sein. Sie verweisen jedoch auch auf die Magento2 Extension Developer Guide (http://devdocs.magento.com/guides/v1.0/extension-dev-guide/bk-extension-dev-guide.html).

Ebenso verhält es sich bei Themes und Customizations. Das Ziel, ein leistungsfähiges und hochmodernes E-Commerce Systems zu schaffen, bedarf struktureller Veränderungen im Kern der Software. Erst diese ermöglichen die Anforderungen umzusetzen. Das erlaubt jedoch leider nicht, die alten Oberflächen und speziellen Shop-Anpassungen 1:1 mitzunehmen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten des weiteren Verfahrens:

  • Die Themes und besonders die Customizings sind hinreichend gut dokumentiert (was leider zumeist nicht der Fall ist). Dann können diese Elemente Erweiterungen und Anpassungen für Magento2 durch professionelle Magento-Entwickler erfahren.
  • Themes als auch Customizings werden neu gewählt bzw. erstellt. Vorteil dieses Vorgehens gegenüber Anpassungen ist, dass keine originären Fehler mit-migriert werden.

Blickwinkel einer Migrationsbetrachtung

Neben den systembedingten Rahmenbedingungen sind begleitende Business-Anforderungen ausschlaggebend für die Entscheidungsgrundlage.

Neue mobile Funktionalitäten

Die Betrachtung zu Gunsten neuer Funktionalitäten von Magento2 werden wohl den Migrationswunsch am Deutlichsten prägen. Besonders die Thematik „mobile“, in allen seinen Facetten, wird hier im Vordergrund stehen. Es ist wohl unbestritten, dass die mobilen Endgeräte und deren Verwendungen im Internet unaufhörlich im Vormarsch sind. Je besser ein Shop-System diesem Wunsch des Endanwenders nachkommen kann, umso erfolgreicher kann die Customer Journey durch den Händler bedient werden. Auch die mobile Administration des Shop-Systems wird diesen Wunsch deutlich prägen.

Die Schnittstellen

Das größte Feature von Magento2 ist die Web API. Dadurch lässt sich so ziemlich jeder Service (Kunden, Bestellungen, Warenkorb, Produkte, Kategorien, Preisregeln, etc.) als SOAP- oder REST-Interface zur Verfügung stellen. Daraus ergeben sich gänzlich neue Szenarien für die Entwicklung von Modulen und Schnittstellen zu ERP Systemen.

Die im Webshop angebotenen Services für Endkunden werden bei vergleichbaren Produkten zusehends den Wettbewerbsvorteil darstellen. Wer auch hier vorne mitspielt und eine frühzeitige Migration in Betracht zieht, wird auch bei erfolgreiches Umsetzung mehr Kunden in seinen Webshop ziehen.

Mehr Qualität, weniger Nacharbeiten

Die in den vorherigen Blog-Beiträgen angeführten Qualitätssteigerungen der Magento-Module am Marktplatz werden wesentlich dazu beitragen, nachfolgende Integrations-, Test- und Anpassungsaufwände im laufenden Betrieb und der Entwicklung zu minimieren. Auch die eingebauten umfassenden Test-Routinen werden dem Anwender eine wesentliche Stütze sein, um seinen Webshop schnell online zu bekommen oder funktional zu erweitern.

Wer also mit limitierten Ressourcen aus dem laufenden Betrieb konfrontiert ist, sollte hierzu seine Überlegungen für eine Migration verstärken und durch die verbesserten Prozesse profitieren.

Support und Updates

Mit dem Erscheinen von Magento 2 wird das alte Magento nur mehr 3 Jahre lang durch den Hersteller unterstützt (Quelle: https://twitter.com/ProductPaul/status/580411255770480640). Updates werden ebenso nur mehr für den benannten Zeitraum zur Verfügung gestellt werden. D.h. konkret, dass immer weniger Möglichkeiten für die dann relevanten Anwendungen zur Verfügung stehen werden.

Selbstverständlich wird die Community und Vielzahl an Magento-Entwicklern dem E-Commerce Urgestein nicht die kalte Schulter zeigen und noch viele weitere Jahre treu dafür Einsätze leisten. Es wird jedoch nicht zu unterschätzen sein, dass sich das Gros Richtung Magento2 und seinen neuen Möglichkeiten entwickeln wird und immer weniger verfügbare Ressourcen und Erfahrungen für den Vorgänger verfügbar sein werden. Wäre der Online-Handel über viele Jahre ein statisches Business, wäre diesem Punkt kein Gewicht beizumessen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Daraus lässt sich schließen – es ist nicht eilig, doch der Händler sollte sich rechtzeitig Gedanken machen, wann er den großen Sprung plant.

Performance

Wer in der Vergangenheit mit Magento1 teils erhebliche Performance-Einbußen hinnehmen musste, wird auch das Thema Performance-Verbesserungen stark beleuchten wollen. Hier verspricht Magento2 erhebliche Weiterentwicklungen, welche aus den ersten Beta-Tests (vlg. vorherige Blog-Beiträge) hervorgehen. Letztlich das Thema Lastverteilung bringt hier deutliche Leistungssteigerungen mit sich.

Wer also durch Geschwindigkeit im Shop punkten will, wird seinen IT-Aufbau mit einem Magento2 ausstatten müssen.

Fazit und Ausblick

Obige Überlegungen beschreiben im groben Überblick, worüber sich der Händler Gedanken machen sollte, zu entscheiden, ob und wann er eine Migration anstreben wird. Der folgende und letzte Blog-Beitrag beschäftigt sich dann mit den konkret zu erwartenden Aufwänden.

Autoren: Cyrill Schumacher (Senior Application Engineer) und Wolfgang Posch (Senior Sales Consultant), Unic GmbH

Über den Autor

„Ich hab’ die Kampagne schon vorher gekannt“. Mit einigen Jahren in der Werbe- und viel Zeit in der Kommunikationsbranche darf man sich das schon auf die Fahnen schreiben. Ana-Maria ist in diesem Gebiet mit Begeisterung dabei und liebt es, sich mit kreativen Köpfen und Inputs zu umgeben aber noch mehr genießt sie es, solche schaffen zu dürfen und damit einen Mehrwert zu erzeugen. Was dabei raus kommt? – Muss man gesehen haben. Ihr Ziel ist es, das digitale Netzwerken weiter zu bringen und zu zeigen, was man mit Sozialen Netzwerken alles erreichen kann. Ein Bildungsauftrag so zu sagen. Eine Herzensangelegenheit eben.

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