Scheitern erlaubt? Hass und Anerkennung zugleich

Scheitern erlaubt? Hass und Anerkennung zugleich

Die deutsche TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist in Österreich eben so ein Begriff wie das heimische Pendant „2 Minuten, 2 Millionen“. Eine Show, in der Startups vor wenigen Investoren, Business Angels oder erfahrenen Unternehmern ihre Pitches vortragen und sich um das große Geld „streiten“. Frei nach dem Motto – „möge der bessere gewinnen“ lässt die Kreativität der Startup-Gründer fast keine Wünsche offen. Doch wie sieht es um die Juroren bzw. Investoren selbst aus? Seit kurzem ist bekannt, dass der DHDL-Juror Vural Öger zwei seiner Firmen zur Insolvenz anmelden muss. Ein Unternehmer, der seit Jahren in seiner Branche Firmen, Hotels und Infrastruktur aufgebaut hat und jetzt klaglos scheitert? Bemerkenswert ist nicht, dass er überhaupt scheitert, sondern wie sich die Stimmen und Meinungen im Netz darüber auslassen.

Auslöser für unseren Beitrag ist ein Artikel auf gruenderszene.de, der sich den Fall von Vural Öger zum Anlass nimmt über eine so genannte „Failing-Culture“ zu schreiben und auch die Community miteinbindet. Stephan Grad (Geschäftsführer A-COMMERCE) hat ebenso auf Facebook ein kurzes Kommentar zu dem Beitrag hinterlassen und wurde zitiert.

Scheitelkultur im deutschsprachigen Raum

Zeigt einfach, dass es jeden treffen kann!

In einem Interview sagt Öger zu Recht, dass es vielen Gründern an dem notwendigen Drive fehlt. „Sie müssen erstmal an sich glauben, wenn sie in eine Sache Zeit investieren, von der sie wirklich Ahnung und Wissen haben.“ so der türkische Unternehmer. „Nur weil man in einer gewissen Branche sehr gut Geld verdienen kann, muss man diese noch lange nicht angreifen oder beackern, wenn man sich nicht auskennt darin.“ ein weiterer Punkt, bei dem man ihm Recht geben muss.

Vural Öger hat oft gezeigt, dass er es geschafft hat. Jahrelang hat er erfolgreich in der Reise- und Tourismus Branche gewerkt und geherrscht, trotzdem zeigt sein Beispiel, dass es jeden treffen kann. Auch wenn wir seine Art nicht gerade nachmachen würden oder sein Auftreten in der Sendung zu 100% gutheissen, bedeutet es nicht, dass man ihn nur mehr aufgrund des Scheiterns seiner Firmen auf ewig abstempeln muss?

Kultur des Scheitern versus gründerfreundliches Land

Wie geht die Bevölkerung mit dem „Scheitern“ um und wieso ist es in einem unternehmerfreundlichen Land nicht möglich, auch Fehler einzugestehen. Einmal Loser – immer Loser? Sogar Studien belegen, dass die Deutschen (sicherlich auch die Österreicher) diesem Thema wenig Toleranz entgegen bringen.

Im Fall von Öger scheinen sich viele Stimmen einig zu sein – er hat versagt. Aber was ist mit den bisherigen Erfolgen, die der 73-jährige türkische Unternehmer in seiner bisherigen Laufbahn zu verzeichnen hat? 9 Hotels, eine eigene Charter-Fluglinie, Immobilien und Investitionen in die Infrastruktur der Türkei, ein Consulting-Unternehmen und er selbst weiss wahrscheinlich am besten, was er noch alles geschafft hat. Wer erinnert sich nach dem jetzigen Scheitern daran?

Einmal scheitern – immer gescheitert?

Vural Öger meldet Insolvenz mit Travel Unternehmen an

Zeit zum Umdenken!

Natürlich ist eine Insolvenz kein belangloser Betriebsunfall. Für Mitarbeiter stehen Jobs und Existenzen auf dem Spiel, Geldgeber, Kunden und Lieferanten tragen bisweilen großen finanziellen Schaden davon. Auch dafür ist der gescheiterte Unternehmer verantwortlich. Solange er kein herzloser Hund ist, sollte ihn aber bereits das genug schmerzen. So heisst es im Artikel von gruenderszene.de – und sie haben vollkommen recht. Der Umstand selbst sollte schon genug schmerzen, man muss auf Gefallene nicht noch mehr einprügeln. Die Sensationsgeilheit von Medien machen ein Umdenken zu dem auch kaum möglich. Es regnet negative Schlagzeilen und kein einziges positives Wort wird über bisherige Errungenschaften verloren.

Es ist genau dieser hämische Tonfall, der dafür sorgt, dass gescheiterte Unternehmer hierzulande einen schwierigen Stand haben. Das soll nicht heißen, dass Firmenlenker für unternehmerischen Fehlentscheidungen keine Kritik verdient hätten. Oder dass sie nicht juristisch belangt werden sollten, wenn sie getrickst oder betrogen haben. Doch wer als Unternehmer ins Risiko geht, der kann eben auch scheitern. Weil sich das Marktumfeld anders entwickelt als gedacht, weil Konkurrenten besser sind, weil man Fehler macht – es gibt tausend Gründe. Für den Mut, es trotzdem zu versuchen, haben auch gescheiterte Unternehmensgründer Respekt und Anerkennung verdient – keine Häme. (Quelle: gruenderszene.der)



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