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plentymarkets in Österreich

Jan Griesel ist Geschäftsführer (CEO) der plentymarkets GmbH. Er legte den Grundstein für plentymarkets bereits 2001 durch den Entwicklungsstart einer eBay-Auftragsabwicklung mit integriertem Online-Shop. Heute verantwortet Jan Griesel die Produktentwicklung und deren Bereitstellung in der Cloud mit dem Ziel plentymarkets zum führenden ERP für eCommerce zu etablieren. Alle Geschäftsprozesse des Handels können mit einer einzigen Software gesteuert werden: plentymarkets. Vom Einstellen der Artikel über die Auftragsabwicklung bis hin zu Zahlung und Fulfillment sind alle Prozesse effektiv miteinander verknüpft, so dass Händler ihren Kunden eine Auftragserfüllung in kürzester Zeit und von höchster Servicequalität bieten können. Anwender profitieren dabei von umfassenden Support-Möglichkeiten und bleiben durch Updates und Neuerungen stets ganz vorne mit dabei.

Jan Griesel Interview

Wenn sich Gründer mit Online Shops selbstständig machen ist immer die erste Frage: Welches Shopsystem wird verwendet? Aber gerade wenn man langfristig erfolgreich ein Business aufbauen möchte, sollte man auch auf die Warenwirtschaft und Prozessautomatisierung nicht vergessen und sich ernsthaft Gedanken darüber machen. Das war bis dato nur durch den Einsatz teurer Systeme möglich. Aber ihr habt mit plentymarkets ZERO eine All-Inclusive ERP als Software as a Service auf den Markt gebracht. Wie kam es zu dieser Idee?

Bereits zum Zeitpunkt der Gründung stand die Erkenntnis im Raum, dass eine Fokussierung auf die vertrieblichen Aspekte des Online-Handels allein nicht ausreicht, um Händler optimal bei ihrem E-Commerce Einstieg unterstützen zu können. Mittlerweile haben sich der Markt und auch die Käufer stark weiterentwickelt: auf der einen Seite wächst der Konkurrenzdruck, gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung der Käufer. Online-Händler stehen somit vor der Herausforderung ein optimales Kauferlebnis mit einer tollen Produktpräsentation, einer schnellen Lieferzeit und einer zügigen Retouren-Abwicklung bei gleichzeitig angespannter Margensituation bieten zu müssen. plentymarkets ZERO ist für diese Herausforderung die passende Antwort: Wir ermöglichen die Abbildung des kompletten E-Commerce Prozesses vom Vertrieb über mehrere Kanäle bis hin zum Versand über eigene oder externe Lager als SaaS-Produkt an. Wir unterstützen damit Händler beim Einstieg in den E-Commerce und können gleichzeitig plentymarkets durch die Cloud so skalieren, dass pro Monat einige 100.000 Bestellungen abgewickelt werden können. Dass wir dazu in der Lage sind, haben wir in der Vergangenheit schon sehr häufig beweisen können.

 

ERP plentymarkets

In den letzten Jahren ist es sehr still um plentymarkets geworden. Seit 2016 geht ihr wieder mit voller Kraft voraus und seid sehr präsent im eCommerce in der DACH Region. Wie kommt es dazu? Was hat sich getan in der letzten Zeit?

Die Stille haben wir gar nicht als solche wahrgenommen: plentymarkets hat sich die letzten Jahre sehr gut entwickelt. Die Anwenderzahlen und die Größe der Organisation haben deutlich zugelegt. Wir haben dabei erkannt, dass ein größerer Veränderungsprozess nötig ist, um den nächsten Wachstumsschritt bewältigen zu können. Dieser Veränderungsprozess fand auf zwei Ebenen statt, die Organisation sowie plentymarkets unser Hauptprodukt wurden einmal auf links gedreht. Wir haben agile Arbeitsmethoden eingeführt, um unsere Reaktionsgeschwindigkeit trotz der stetig wachsenden Komplexität unseres Produkts verbessern zu können. Dabei wurde jedes Team cross-funktional aufgestellt. Wir erreichten dadurch, dass nun viele Entscheidungen direkt im Team getroffen werden können. Dieser große und wichtige Change auf Ebene der Organisation hat uns nachhaltig gestärkt, um die Herausforderung auf Produktebene realisieren zu können: plentymarkets von einer geschlossenen zu einer offenen Software umzubauen. Das Ergebnis ist plentymarkets Version 7, welche unter Verwendung aktueller Technologien an die Anwenderbedürfnisse optimal angepasst werden kann. Kürzlich ging zudem unser Marktplatz für plentymarkets Plugins und die finale Version unserer integrierten Kasse an den Markt.

Somit haben wir nun richtig spannende Themen, die für sehr viele Händler in der DACH Region hilfreich sein werden – darüber lohnt es sich zu reden und deswegen sind wir nun vielleicht etwas weniger still…

eCommerce in Österreich

Die eCommerce Branche ist sehr Prozess lastig. Welchen Rat hast du für Gründer oder frische Online Händler, wenn es darum geht langfristig konkurrenzfähig zu bleiben?

Das wichtigste überhaupt ist die Erkenntnis, dass E-Commerce nicht dadurch ausreichend definiert werden kann, dass Bestellungen über das Internet getätigt werden. Vielmehr ist diese Handelsform getrieben von dem Anspruch Arbeitsprozesse durch den Einsatz technischer Lösungen sehr effizient zu realisieren. Neben Kosteneffekten und einem möglichst schnellen Fulfillment liegt der eigentliche Grund in der einfacheren Möglichkeit der Skalierung. Darum geht es letztlich: der Online-Handel ermöglicht den schnellen Aufbau einer länderübergreifenden Vermarktung von Produkten.

Wer nachhaltig in den Online-Handel einsteigen möchte, sollte daher seine Prozesskette nicht vernachlässigen. Häufig geht die Initiative für den Einstieg in den Online-Handel von der Marketingabteilung eines Unternehmens aus. Die Vermarktung des Produkts steht dabei im Mittelpunkt, und die Frage der Integration in die Prozesse des restlichen Unternehmens wird oft sehr spät gestellt. Hierbei droht die Gefahr, dass Kompromisse zugunsten eines frühen Markteintritts eingegangen werden, welche später den Wachstumsprozess stören.

Folglich ist mein Rat: erarbeiten Sie frühzeitig ein Big Picture und beteiligen Sie alle benötigten Fachabteilungen bereits in einer frühen Projektphase.

Online Handel auf Marktplätzen

Immer mehr Online Händler gehen den Weg in die Multichannelwelt und kombinieren Online & Offline miteinander. Wie unterscheiden sich die Prozesse bei einem reinen Pureplayer und worauf sollen Online Händler aufpassen?

Wir erleben beide Szenarien, häufiger ist weiterhin die Entwicklung, dass stationäre Händler als weiteren Kanal den Online Handel hinzunehmen. Die Herausforderungen sind hierbei vielschichtig, ich gehe hier auf zwei Themenbereiche ein:

Produktpräsentation: jedes Produkt, mit allen wichtigen Eigenschaften und bestenfalls mehreren Produktbildern, muss für den Vertrieb im Netz erfasst werden. Soll ein eigener Webshop aufgebaut werden, müssen die Artikelbeschreibungen zudem einzigartig sein, um eine Suchmaschinenindexierung erreichen zu können. Dieser Aufwand entsteht im stationären Handel gewöhnlich nicht, somit müssen hierfür Ressourcen bereitgestellt werden.

Produktverfügbarkeit: die online angebotenen Produkte, müssen mit einer korrekten Verfügbarkeit versehen werden und der Versand mit in der angegebenen Zeit stattfinden. Sofern kein eigenes Lager für den Online-Handel eingerichtet werden soll, bleibt nur die Kombination. Hierbei werden die Waren jeder Filiale gleichzeitig auch online angeboten. Um Überverkäufe zu vermeiden, muss der Warenbestand der Filialen mit der Online-Vertriebsplattform laufend abgeglichen werden. Hier sehe ich die größte technische Herausforderung, da viele Kassensysteme nur bedingt E-Commerce fähig sind. Wir haben dieses Problem erkannt und bieten daher mit plentyPOS eine Kassenlösung für Multichannel Händler an. Der Händler entscheidet dabei selbst, welche Produkte auch im Webshop oder auf angeschlossenen Marktplätzen angeboten werden soll.

plenty markets im eCommerce in Österreich

Plentymarkets steigt ab 2017 sehr stark in den eCommerce in Österreich ein. Wieso ist dieser Zielmarkt besonders wichtig für euch?

Wir glauben, dass der Online-Handel mittlerweile wirklich in Österreich angekommen und akzeptiert ist. Als in Deutschland die erste E-Commerce Welle losging, bedienten sich viele Käufer aus Österreich noch bei Händlern in Deutschland. Nun sehen wir, dass hier ein eigener Markt mit mehr Händlern aus Österreich heranwächst. Der Zeitpunkt scheint somit günstig. Zudem haben wir viele Jahre Erfahrungen mit einigen tausend Händlern gesammelt und können dadurch mit unserem Produkt hiesige Händler gut bei ihrem Markteintritt unterstützen. Wir freuen uns somit riesig darauf, nach Österreich statt unsere Ski nun eher unser Surfboard mitzunehmen, um auf der nächsten Welle ganz vorne mitreiten zu können.

Zukunft im eCommerce . Future Technologies

Wenn du an eure nächsten 3 Jahre in Österreich denkt, welchen Wunsch hast du an die österreichische eCommerce Landschaft?

Wir möchten ein wichtiger Teil der eCommerce Landschaft in Österreich werden. Wir wünschen uns, dass kreative und einzigartige Produkte entstehen, die nachhaltig erfolgreich online vermarktet werden können. Und abschließend wünschen wir uns, dass österreichische Händler die Chance erkennen, die sich im Omnichannel Handel ergeben und diese auch nutzen. Die passende POS-Lösung dazu haben wir bereits im Gepäck.