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Thomas Lang im A-COMMERCE Interview

Stephan und Ana-Maria haben letzte Woche am 13. und 14. April 2016 die SOM in Zürich besucht. Leider sind beide […]

eCommerce in der Schweiz - Thomas Lang Interview

Stephan und Ana-Maria haben letzte Woche am 13. und 14. April 2016 die SOM in Zürich besucht. Leider sind beide mit einer großen Enttäuschung zurück gekommen. Stephan hat sich bereits auf Facebook darüber „ausgelassen“, wie schade es ist, in der Schweiz auf DER eCommerce Messe zu sein, aber keine Händler anzutreffen, geschweige denn spannende neue Kontakte zu finden. Ist das wirklich der eCommerce in der Schweiz?

ABER.

Einige wenige Ausnahmen gibt es. Wir sind auf eine Handvoll Menschen gestoßen, welche in der Schweiz sehr erfolgreich im eCommerce und der Digitalbranche unterwegs sind. Einer davon ist Thomas Lang.  Der studierte Betriebsökonom und Wirtschaftsinformatiker ist Gründer und CEO der Carpathia AG, der führenden unabhängigen Unternehmensberatung für Digital Business in der Schweiz. Thomas wurde von den Wirtschaftsmedien als einer der führenden digitalen Köpfe und Vordenker der Schweiz gewählt und ist Autor zahlreicher Fachartikel und -studien, Dozent für Onlinevertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Referent an internationalen Konferenzen zum Thema E-Commerce und Digitale Transformation im Handel.

Heute dürfen wir ihn ganz herzlich bei uns im Interview willkommen heißen! Als‘ dann – Grüzi Wohl und viel Spaß beim Lesen!

Thomas Lang im eCommerce Interview

Die Schweiz ist als Binnenmarkt sehr abgeschottet. Man weiß nicht besonders viel darüber und als Österreicher oder Deutscher muss man sich eben die richtigen Personen aussuchen, wenn man Infos haben möchte bzw. braucht. Auch nicht immer einfach. Wer sind in der Schweizer eCommerce Branche die BIG Player, welche man unbedingt kennen muss?

eCommerce in der Schweiz

Anders als in Deutschland oder Österreich heisst der Big Player in der Schweiz nicht Amazon. Er ist zwar unter den Top-3 aber Digitec / Galaxus konnten für das vergangene Jahr 2015 einen Umsatz von nahezu CHF 700 Mio (ca. EUR 645 Mio) ausweisen. Amazons Umsatz für die Schweiz wird auf etwa CHF 450 Mio geschätzt (ca. EUR 410 Mio) und Zalando auf CHF 425 Mio (CHF 390 Mio). Das sind die Top-3 in der Schweiz.

In den Top-10 finden sich weitere umsatzstarke Shops wie Nespresso und einige Online-Plattformen der beiden dominierenden Schweizer Einzelhandelskonzerne Migros (Onlineshops LeShop.ch, ExLibris.ch in den Top-10) oder Coop (Microspot.ch, coopathome.ch oder Nettoshop.ch). Das ist ganz typisch für die Schweizer Handelslandschaft die auch Stationär von diesen beiden Grosskonzernen bestimmt wird.

Amazon in der Schweiz

Welche Trends gibt es aktuell in der Schweiz im eCommerce und der Digitalbranche zu erkennen?

Trends im Schweizer eCommerce

Es ist eine sehr starke und weitere Professionalisierung zu beobachten. Diese hat verschiedene Facetten. Zum einen werden gerade großflächig die Systeme aktualisiert. Vor allem bei Coop wird alles auf Hybris migriert und hier reden wir doch von einem guten halben Dutzend grosser Schweizer Onlineshops mit mehrstelligen Millionen Umsätzen. Und auch andere Betreiber sind am Erneuern und Skalieren ihrer Plattformen. Doch auch in anderen Bereichen wie dem Austesten von neuen Konzepten und Vertriebsmodellen, dem Hinterfragen bestehender Mechaniken oder auch verstärkte und erweiterte Marketing-Massnahmen werden starke Innovationen verzeichnet.

Ganz zentral sind auch Logistik-Services wo wir in der Schweiz gerade in diesen ersten Monaten einiges an Innovationen erfahren durften. Von Installations-Services bei Brack – wo die Installationen vom Crowd-Service Mila oder einem Profi geordert werden können bis hin zu Late-Same-Day Delivery bei STEG wo bei Bestellungen bis 18h noch bis 21h geliefert wird. Eines meiner persönlichen Lieblingsthemen ist aktuell die Digitalisierung am POS. 

Ähnlich wie es Amazon im Pilot in Seattle gemacht hat, darf ich mehrere aufgeschlossene und innovative Schweizer Kunden betreuen, wie wir das Online-Knowhow in die Fläche bringen. Das beinhaltet unter anderem Bewertungen an die Regale zu bringen, Sortimente aus den Online-Verhalten umzuschichten, dynamische und elektronische Preis-Etiketten. Doch es macht hier noch lange nicht halt. Dies geht gar soweit, dass wir beispielsweise beim stationären Kassen-Checkout in Echtzeit verlassene Warenkörbe und Merklisten des Kunden im Onlineshop prüfen und mit dem aktuellen Filialbestand abgleichen. Gibt es eine Übereinstimmung, erhält der Kunde eine „dezente“ Empfehlung. Die Resultate sind echt beeindruckend und führen zu Mehrumsätzen im zweistelligen Prozentbereich.

Das Thema ist noch sehr frisch und eine wahre Spielwiese für Unternehmen, die frei, neu und vor allem anders denken wollen und es auch können. Und vor allem auch für diejenigen, welche Online nicht als „Konkurrenz im eigenen Hause“ ansehen sondern als interessante Ergänzung der Touchpoints – Omni-Channel ist Teamplay.

Schweizer eCommerce anders als in Deutschland

Du bist jetzt schon sehr lange im eCommerce tätig und hast vieles miterlebt, gesehen und vor allem mitgemacht. Welche Unterschiede erkennst du zwischen der Schweiz, Deutschland, Österreich und UK?

Unterschiede Geschäftsmodelle DACH Region

Nach meinen Beobachtungen kochen die Schweizer Händler im Vergleich immer noch auf sehr kleiner Flamme. Dies ist jedoch auch nicht erstaunlich. Denn neben dem hohen Kosten-Niveau in der Schweiz muss man anerkennen, dass die Investitionen auf einen rund 10-Mal kleineren Markt als in Deutschland umgelegt werden müssen, welcher erst noch in 2 relevante Sprachen fragmentiert ist. Das resultiert in deutlich kleineren Skalierungs-Potentialen als sie beispielsweise ein PurePlayer in Deutschland, UK oder auch in Frankreich vergegenwärtigt.

Was zudem auch besonders interessant und uns differenziert ist, dass sich die Schweizer extrem mobile-affin zeigen. Auch Zalando anerkennt, dass der Anteil an mobilen Besuchen und Umsätzen in der Schweiz am höchsten ist in allen 15 Ländern, wo sie aktiv sind. Kommt hinzu, dass nach UK die Schweiz den höchsten pro Kopf Einkauf von frischen Lebensmitteln weltweit vorweisen kann. Gerade Online-Lebensmittel mit ihrer gesamten Komplexität ist ein Konzept, dass in der Schweiz seit Jahren erstaunlich gut funktioniert. Und auch dies mit www.leshop.ch und www.coopathome.ch dominiert von den zwei grossen Einzelhandelskonzernen in der Schweiz.

Kunden in der Schweiz generieren – schwierig

Es ist, wie viele wissen, so, dass viele deutsche und österreichische Händler in die Schweiz expandieren möchten. Sie träumen von hohen Margen und Erfolg im Nachbarland. Ist das denn bei den Schweizer Händlern genauso? Wollen sie auch in andere Exportländer? Und vor allem – welche sind die Favoriten wenn es um die Internationalisierung geht?

Internationalisierung aus der Schweiz

Exporte lohnen sich für Schweizer Händler nur, wenn sie in einer Nische tätig sind oder einzigartige Services vorweisen können. Mit austauschbarer Handelsware zum Beispiel aus dem Mode- oder Elektronik-Sortiment sind Schweizer Händler international in der Regel chancenlos. Dennoch gibt es sehr erfolgreiche internationale Online-Beispiele. Ich denke hier zum Beispiel an www.beliani.ch der mit Möbeln aus ost-europäischer Produktion aus der Schweiz heraus sehr erfolgreich in verschiedenen grossen internationalen Märkten unterwegs ist. Oder www.fashiondays.ch die im Bereich Club-Shopping fast ganz Ost-Europa dominieren und ebenfalls aus der Schweiz heraus operieren. Beiden genannten Beispielen ist gemein, dass sie den Grossteil der Produktion rsp. des Fulfillments in den jeweiligen Ländern vor Ort haben mit entsprechend attraktiven Kostenstrukturen.

Schon fast ein „Dinosaurier“ ist Samy Liechti mit www.blacksocks.com, quasi dem Erfinder des Abo-Commerce. Auch er ist seit 1999 global sehr erfolgreich unterwegs. Und wenn wir von Nische sprechen, dann darf man selbstverständlich www.freitag.com nicht vergessen die ebenfalls international erfolgreich unterwegs sind.

Best Practice Beispiele – CH Commerce

Kommen wir nochmals auf die deutschen und österreichischen Händler zurück. Wie vorhin kurz angedeutet, erwarten sich diese Erfolg und bessere Margen in der Schweiz. Mit welchen Herausforderungen müssen sie aber rechnen, wenn sie in das kleine Nachbarland expandieren wollen?

Herausforderungen – eCommerce in der Schweiz

Man sollte die Schweiz nicht unterschätzen – ein Online-Vertriebskonzept muss zwingend „helvetisiert“ werden wie wir es nennen. Schweizer Konsumenten reagieren bisweilen etwas allergisch auf ausländische Onlineshops rsp. wenn ihnen das Gefühl vermittelt wird, man kann sie mit einem deutsche oder österreichischen „Derivat“ abspeisen. Dies bedingt Detailkenntnisse des Schweizer Marktes, der Kultur und der Gepflogenheiten und selbstverständlich auch der rechtlichen Anforderungen.

Kommt hinzu, dass das Schweizer-Deutsch sehr viele Einflüsse aus dem Französischen vorweist was zur Folge hat, dass zahlreiche Sortiments- und Produktbezeichnungen entsprechend zu adaptieren sind. Zudem Zahlungsmethoden wie die Postfinance-Card oder Zahlung gegen Rechnung mit dem orangen Einzahlungsschein sind sehr verbreitet und ein eigentlichs Muss. Dies alles bedingt entsprechende Anpassungen am Shop und den nachgelagerten Systemen. Und selbstverständlich ist da noch eine andere Währung dies man absichern muss und ein Zoll. Und Letzterer hat es auch in sich. Denn die Schweiz ist das einzige Land neben Weissrussland, das noch den Gewichtszoll und nicht den Wertzoll kennt. Also auch ein Zalando musste erstmals jede Jeans und jeden Sneaker wägen, bevor er in die Schweiz verkauft werden konnte.

Plus wer seinen Onlineshop nur in Deutsch präsentiert, erreicht nur gut zwei Drittel des Marktes. Eine französische Sprachversion und ggf. eine englische sind für den Schweizer Markt mehr als empfehlenswert. Grundsätzlich sind alle Hürden überwindbar; man muss einfach daran denken und den Aufwand nicht scheuen.

Deutsche und österreichische Händler in der Schweiz

Welche Ansprüche hat ein Konsument in der Schweiz gegenüber Online Händlern oder Händler generell? Welche Unterschiede lassen sich hier im DACH-Raum erkennen?

Ansprüche Konsumenten in der Schweiz

Ich denke, dass die Ansprüche durchaus vergleichbar sind. Nuancen sind ggf. im Bereich der Qualitäts- und Service-Ansprüche zu identifizieren. Denn ich glaube, ein Schweizer ist (noch) nicht so preissensitiv wie es beispielsweise ein deutscher Kunde ist. Ein Schweizer Kunde ist nach wie vor bereit, einen „Extra-Franken“ zu bezahlen, wenn er dadurch einen Top-Service und eine Top-Qualität erhält. Die sogenannte „Geiz ist Geil“ Mentalität konnte sich in der Schweiz nie wirklich durchsetzen. Übrigens auch ein Zeichen dafür, dass sich Saturn vor ca. 1 Jahr aus der Schweiz zurückgezogen hat und nun alle Märkte unter dem „Media Markt“ Brand laufen.

Kann die Schweiz noch erfolgreich eCommerce betreiben?

Ganz provokant gefragt – Kann es sich die Schweiz länger (bzw. wie lange noch) leisten, so abgeschottet zu bleiben, wenn es um Business geht?

Businessmodell in der Schweiz

Gute Frage; doch ich glaube nicht, dass sich die Schweiz abschottet. Die Spielregeln sind klar und verlässlich. Und mittlerweile verkaufen sehr viele deutsche Onlineshops sehr erfolgreich in die Schweiz, weil diese die sogenannten „Hürden“ nicht scheuen und sie elegant überwinden. Und sie sind mit überschaubarem Aufwand überwindbar. Gerade im Bereich Mode sind nach unseren Schätzungen wohl 3/4 der Umsätze in ausländischer Hand. Wobei hingegen im Bereich Elektronik – dem zweiten Top-Umsatz-Segment im Schweizer Onlinehandel – es genau umgekehrt ist. Dort sind 3/4 der Umsätze in helvetischer Hand. Um auf die Frage zurückzukommen. Klar, es gibt den Zoll, die andere Währung und mehrere Sprachversionen plus die länderspezifischen Eigenheiten bzgl. Kundenverhalten und -erwartungen. Ich würde jedoch nicht von Abschottung sprechen sondern von besonderen Herausforderungen. Denn es ist ja nicht so, dass sich die Schweiz „abschotten“ will bzgl. Onlinehandel. Es sind ganz einfach die (politischen) Gegebenheiten. Ähnliches müsste man sonst auch von England oder Norwegen behaupten.

Schweizer Kultur anders auch im eCommerce

Dein Blick in die Zukunft … Wie wird sich eCommerce in der DACH Region aber vor allem in der Schweiz ändern? Welche Wünsche hast du an die Branche?

Thomas Lang über die Zukunft im eCommerce

Ich wünsche mir von der Branche mehr Mut. Mut, auch mal Fehler zu machen und Innovation. Innovation geschieht nicht in dem ich zuerst schaue, was machen die anderen. Innovation heisst, ich probiere selber etwas zuerst aus. Innovation heisst auch scheitern, lernen, es besser machen. Gerade unsere stationären Händler sind regelrechte Schlaftabletten. Und gehen sie online, ist es so zaghaft, darf wenig kosten und am liebsten soll online nicht funktionieren, sondern den stationären Handel retten. Da verhalten sich die Händler diametral anders als die Kunden. Die sind längst an den neuen Touchpoints unterwegs und haben ihr Verhalten geändert. Kein Wunder also, dominieren gerade im Fashion-Bereich AboutYou, Zalando & Co den Schweizer Markt.

Und ganz generell – und nicht nur für den DACH-Raum – sehe ich noch sehr grosse Potentiale im Bereich Services und Logistik. Services zum einen gegenüber dem Kunden, in Form von Packages und zum anderen auch in Form von Devices. Ich bin überzeugt, dass die Amazon Dash-Buttons wie auch Amazon-Echo erst der Anfang ist einer neuen Generation von Shopping-Devices. Und was die wenigsten bislang bemerkt haben ist, dass diese neuen Services zum einen die Geschwindigkeit – das Momentum zwischen Kaufimpuls und Kaufabschluss – drastisch erhöhen und zum anderen den Wettbewerb komplett aushebeln. Auch hier schlafen 99% der Marktakteure noch tief und fest.