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Amazon Marketplace für Händler und eCommerce in Österreich

Am 05.05.2016 waren wir, gemeinsam mit einigen von euch, beim Handelskraft Business Frühstück in Wien eingeladen. Unter anderem haben wir Adrian Hotz dort kennengelernt. Der Diplom-Kaufmann  unterstützt Unternehmen bei der Strategieentwicklung, beim Aufbau von E-Commerce-Abteilungen und bei der operativen Umsetzung. Beim Handelskraft Frühstück hat er besonders Bezug auf den Amazon Marketplace genommen und über die Herausforderungen für Händler gesprochen. Er unterstützt Hersteller und Marken bei der Entwicklung von Marktplatzstrategien – insbesondere in Bezug auf Amazon.

Adrian Hotz Interview

Adrian, du hast dich in deiner Tätigkeit besonders auf Amazon spezialisiert. Du hast es dir ebenfalls zum Auftrag gemacht, Amazon für Online-Händler verständlich zu machen. Warum ist das für Händler (umsatz-technisch) so wichtig? Und weshalb sehen 50% der Online-Händler Amazon als „den erklärten Feind“ an?

Aus meiner Sicht ist Amazon nicht der Feind der Online-Händler. Amazon stellt die beste Infrastruktur bereit, die für erfolgreichen Online-Handel notwendig ist. Kundenakquise, Logistik, Service, absolute Verlässlichkeit. Amazon ist gewissermaßen die Autobahn, wer die Infrastruktur richtig nutzt profitiert definitiv überdurchschnittlich im eCommerce und das wiederum liegt am schnellen Wachstum von Amazon.

Ehrlich gesagt bin ich immer wieder verwundert, dass sich einige Pureplayer und Multichannel-Händler mit 10-20 Prozent Umsatzwachstum pro Jahr in ihren Kategorien zufrieden geben. Das bedeutet häufig, dass Marktanteil in der Kategorie abgegeben wird. Das sehen wir immer wieder bei Projekten, die wir für Hersteller auf Amazon durchführen. Es ist völlig klar: wollen Unternehmen das volle Potential erschließen, müssen diese dorthin, wo die Kunden sind. Und diese nutzen Amazon bereits heute häufig als Ausgangspunkt für Kaufentscheidungen. Das kennen wir ja alle aus unserem eigenen Einkaufsverhalten – ich persönlich kaufe fast alles auf Amazon. Nur meine Steaks kaufe ich bei www.adla-gourmet.de 😉 Übrigens, sehr zu empfehlen.

Online Händler verkaufen auf Amazon

Amazon-SEO ist die letzte Entwicklung auf diesem Gebiet. Viele Händler wittern den Goldrausch aber keiner kennt sich so richtig aus. Worauf muss man als Händler achten, wenn man eine Agentur zu Rate zieht? Vor allem möchte man hier sein Geld effizient einsetzen und nicht verbrennen.

Amazon löst Google als Suchmaschine im eCommerce ab. Das bedeutet Amazon-SEO gewinnt an Bedeutung. Aber auch AMS, das Google Adwords-Pendant von Amazon, wird in den kommenden Jahren massiv an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl weiterer Marketingmaßnahmen im Vendor-Bereich von Amazon, die wirklich sinnvoll sind und einen guten ROI haben. Ich denke, wir werden hier in den kommenden Jahren einen deutlichen Budget-Shift im eCommerce Performance-Marketing von Google zu Amazon sehen. Marken müssen auf Amazon gut positioniert und gut dargestellt werden.

Das geht nur mit wirklich erstklassigen Content. Auf Amazon wird die Kaufentscheidung getroffen und häufig direkt gekauft – anders als bei Google ohne Medienbruch. Und hier liegt ein entscheidender Unterschied zum klassischen SEO. Es geht nicht darum, die Suchmaschine auszutricksen. Es geht darum, wirklich guten Content für die Kunden bereitzustellen und das im Einklang mit den Marketing-Möglichkeiten auszuspielen. Nur dann können Marken ihre Verkäufe nachhaltig steigern. Deshalb würde ich empfehlen, keine klassische SEO-Agentur in dem Bereich zu beauftragen, da wird man definitiv Potential liegen lassen. Das Know-How bzgl. Vendor-Central ist schon sehr speziell – insbesondere bzgl. der Marketing-Möglichkeiten, aber auch z.B. hinschlicht der Logistik-Prozesse.

Amazon Content erstellen

Dass Amazon für Hersteller wichtig ist, ist klar. Aber wie sieht es für den reinen Händler aus? Macht es Sinn auf Amazon präsent zu sein? 

Es gibt viele gute Beispiele (z.B. Chaltech.de, kw-commerce.de), wie Händlermarken über Amazon entstehen können und richtig erfolgreich werden. Natürlich können starke Marken Amazon einfacher bespielen. Klassische Händler haben mittelfristig keine einfache Positionierungsmöglichkeit, es sei denn, sie positionieren sich über Eigenmarken. Wer als Händler eine Digitalkamera wie die „Canon Legria Mini x“ über Amazon verkauft, kann sich nur über den Preis positionieren und das kann nicht im Interesse der Hersteller sein. Händler können sich natürlich immer wieder gut in Nischen positionieren – hier gibt es für schnelle und kreative Händler viele Möglichkeiten, gutes Geld zu verdienen.

Ich kenne einige, denen das wirklich gut gelingt. Aus meiner Sicht sind die Händler der Zukunft aber immer auch vertikal aufgestellt. Der klassische Handel, der ausschließlich eine Marge auf Produkten von Drittmarken realisiert, hat es sowohl on- als auch offline in vielen Branchen sehr schwer. Ein Sportgeschäft mit Fußballtrikots würde ich also weder online noch offline eröffnen. 😉

Hersteller verkaufen leichter auf Amazon als Händler

Wir bemerken, dass viele Unternehmen sich sehr schwer dabei tun, kompetente und fähige Mitarbeiter für den eCommerce-Bereich zu finden. Wie ist das deiner Meinung nach so?

Das sehe ich genauso. Für viele Unternehmen, die gerade ihre Abteilungen aufbauen, ist das aber wirklich sehr schwer. Zumeist fängt das mit der Stellenbeschreibung und der Aufgabenbeschreibung an. Hier denken viele Unternehmen zu klassisch. Gute Mitarbeiter wollen Herausforderungen und keinen Routine-Job. Gute Mitarbeiter wollen Freiheit und ein geiles Projekt und keinen nine to five Job und vor allem wollen gute Mitarbeiter Projekte umsetzen und nicht durch politische Spielchen oder unzählige PowerPoints ausgebremst werden.

Das jedenfalls ist das Feedback, das wir von vielen Kandidaten erhalten. Ich beobachte bei den Millennials immer häufiger, dass das Gehalt sogar zweitrangig ist, wenn das Projekt spannend ist. Ich kenne Kandidaten, die verzichten auf 20.000 €, weil Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren können und der Arbeitgeber zusätzlich Homeoffice anbietet. Unternehmen, die hier zu klassisch denken, haben es sehr schwer im Kampf um Talente. Und ich beobachte einen weiteren Trend, den wir auch aufgreifen. Der Trend zur Freiberuflichkeit. Viele gute Leute machen sich selbständig und bieten ihr Know-How projektspezifisch an. Das hat aus meiner Sicht sehr viele Vorteile für beide Seiten.

Auch für die Unternehmen, denn die Leistungsbereitschaft und die Lernkurve ist bei Freiberuflern oft deutlich höher. Anders als in der Generation davor, wollen in unserer Generation viele Talente gar nicht langfristig für ein Unternehmen arbeiten. Das sehe ich auch an mir selber. Ich wollte Abwechslung, deshalb war die freiberufliche Beratung genau das richtige. Ich kenne wenige, die bei einem Unternehmen anfangen und dort in Rente gehen wollen. Die Freiberuflichkeit ist deshalb für viele eine gute Alternative, sich auszuprobieren.

Freiberufler sind kreativer und lernen besser

Ein Blick in deine persönlich Glaskugel – Was glaubst du, wird sich in der nächsten Zeit im eCommerce tun? Bzw. was genau wünschst du dir von der Branche?

Ich persönlich finde die Entwicklungen, die den eCommerce und das Internet of Things verbinden, super spannend. Das zeigt mir regelmäßig, dass wir hier wirklich erst am Anfang sind. Ich glaube nicht, dass wir uns in 10 Jahren noch durch die klassischen Shop-Oberflächen klicken müssen und Produkte dem Warenkorb hinzufügen. Im Gegenteil, das wird uns rückblickend alles ziemlich bescheuert vorkommen. Ungefähr so, wie wenn man heute per Fax bestellt.

Wir werden überall und jederzeit bequem einkaufen und überall und jederzeit die bestellten Produkte in Empfang nehmen können. Sprache wird hierfür der Schlüssel sein. „Ich brauche schnell ein gutes HDMI-Kabel“ – egal, wo ich den Satz äußere, es wird innerhalb von spätestens einer Stunde vor Ort sein. Die Logistik und die Algorithmen werden diese Entwicklung treiben. Bzgl. der Spracherkennung ist Alexa bzw. Amazon-Echo eine geniale Plattform und hat unglaubliches Potential. Alexa hat das Zeug, die Plattform schlechthin für den IoT-Bereich zu werden. Ich kenne Entwickler, die ihren Job gekündigt haben, um Vollzeit mit Alexa zu experimentieren. Ich persönlich fände es super, Alexa als Spracherkennung in einen Teddy-Bären zu stecken. Kinder gehen sehr intuitiv mit Sprachsoftware um. Das wird wahrscheinlich schnell verdeutlichen, warum ich glaube, dass wir erst am Anfang stehen.