E-Commerce NewsHandel

Die wichtigste Kennzahl bei der Rückerstattung im Onlinehandel

Am 8. Mai 2026 stellten der Zahlungsdienstleister Nexi und der Handelsverband Österreich ihren Payment Report vor. Geschwindigkeit rangiert dort bei der Wahl der Online-Zahlungsmethode vor Sicherheit. Gemessen wurde dabei eine einzige Richtung, nämlich der Weg des Geldes zum Händler. Für die Gegenrichtung existiert in Österreich keine vergleichbare Erhebung.

58 Prozent nennen Geschwindigkeit als Auswahlkriterium

Grundlage des Payment Reports ist eine europaweite Befragung mit 27.930 Teilnehmern in elf Ländern, mehr als 2.500 davon in Österreich. Erhoben wurde wöchentlich über ein ganzes Jahr, um tatsächliche Einkaufs- und Zahlungserfahrungen abzubilden statt Erinnerungswerte. Bei der Auswahl von Online-Zahlungsmethoden nennen 59,5 Prozent Einfachheit, 58 Prozent Geschwindigkeit und 53 Prozent Sicherheit.

Damir Leko, Country General Manager von Nexi in Österreich, erklärt dazu, der heimische Payment-Markt habe eine hohe digitale Reife erreicht; neue Technologien allein machten keinen Unterschied mehr, entscheidend sei die Zuverlässigkeit im Alltag. Reibung im Zahlungsprozess zu reduzieren, stärke die Kundenbindung. Gemeint ist der Checkout, also der Moment unmittelbar vor dem Kaufabschluss. Abgebildet wird damit der Zahlungseingang. Was danach passiert, steht außerhalb des Fragebogens.

Erfasst werden im Report die Auswahlkriterien beim Bezahlen, die Gerätenutzung und die Ausgabekategorien vom Bekleidungskauf bis zur Apothekenbestellung. Die Zeitspanne zwischen einer Rücksendung und der Gutschrift auf dem Konto gehört nicht dazu.

Aus den öffentlich zugänglichen Erhebungen zum österreichischen Onlinehandel ist sie nicht abzulesen.

Vergleichsportale beziffern, wie lange eine Auszahlung dauert

Vergleichsportale beziffern, wie lange eine Auszahlung dauert

In Märkten, in denen Geld regelmäßig zum Kunden zurückfließt, gehört genau diese Zahl seit Jahren zur Standarddarstellung. Vergleichsseiten für Online-Glücksspiel führen die Bearbeitungsdauer von Auszahlungen als eigene Kennzahl, aufgeschlüsselt nach Anbieter und Zahlungsart. Das Linzer Portal casino.at, seit 2011 online, weist solche Werte je Betreiber aus, womit Spiele mit Echtgeld in dieser casino.at Auswahl eine Zeitangabe tragen, die nach Darstellung des Portals von unter einer Stunde bis zu sieben Tagen reicht.

Dazu führt das Portal eine Liste von Betreibern, von denen es abrät. Als Begründung stehen dort in mehreren Fällen ausbleibende oder verzögerte Auszahlungen.

Erhoben hat all das eine Redaktion, die sich über Provisionen der verlinkten Betreiber finanziert. Eine unabhängige Kontrolle der Messungen gibt es nicht, und die gelisteten Anbieter arbeiten mit Lizenzen aus dem Ausland, nicht mit einer österreichischen Konzession. Als Beobachtung bleibt trotzdem, dass die Dauer der Rückzahlung dort selbstverständlich neben dem Zahlungsverfahren steht. Im Warenhandel taucht sie praktisch nirgends auf.

62 Prozent Retourenquote bei Bekleidung

Die E-Commerce-Studie Österreich 2026, erstellt vom Handelsverband gemeinsam mit der KMU Forschung Austria auf Basis von 2.017 Befragten im April 2026, beziffert das Rücksendeverhalten genau. 54 Prozent der Online-Käufer haben im vergangenen Jahr mindestens einmal retourniert. Bekleidung und Textilien führen mit 62 Prozent. Ob eine Rücknahme überhaupt zustande kommt, hängt dabei vom Kanal ab, denn bei reduzierter Ware im stationären Geschäft entscheidet allein die Zusage des Händlers.

Harald Gutschi, Geschäftsführer der OTTO Austria Group und Vizepräsident des Handelsverbands, ordnet ein, Retouren seien für Händler nicht allein ein Kostenfaktor, sondern ein strategisches Signal; wer in Größenberatung und präzisere Produktbeschreibungen investiere, senke die Quote und verbessere zugleich das Kundenerlebnis.

Gezählt wird also, wie oft zurückgeschickt wird. Wie lange die Erstattung danach dauert, gehört nicht zum Umfang der Studie. Bei einer Retourenquote von 62 Prozent im größten Onlinesegment trifft diese Lücke den Regelablauf.

Der Rückweg läuft über mehrere Stationen

Eine Rückerstattung auf eine Kartenzahlung durchläuft den Acquirer des Händlers, das Kartennetz und die kartenausgebende Bank. Jede Station bringt eigene Verarbeitungszeiten mit, keine meldet sie an eine gemeinsame Stelle. Bei Wallets und bei Sofortüberweisungsverfahren verläuft die Kette anders, teilweise kürzer. Wer ein Wallet-Guthaben auf das eigene Bankkonto auszahlen lässt, wartet je nach gewähltem Verfahren wenige Minuten oder mehrere Werktage.

Damit fehlt die Voraussetzung für jeden Vergleich. Ohne einheitliche Messgröße entsteht keine Rangliste, und ohne Rangliste kein Wettbewerbsdruck. Lieferzeiten dagegen liegen weitgehend in der Hand des Händlers und seines Logistikpartners, weshalb sie seit Jahren stundengenau kommuniziert werden. Ein Paket lässt sich per Trackingnummer von der Abholung bis zur Zustellung verfolgen. Für die Rückbuchung gibt es in den meisten Shopsystemen keinen vergleichbaren Status.

Ein Shop, der eine Erstattung binnen 24 Stunden nach Wareneingang zusagt, gibt ein Versprechen ab, dessen Einhaltung er nur zum Teil kontrolliert. Die Zurückhaltung ist damit erklärbar. Vollständig rechtfertigen lässt sie sich nicht, denn zumindest der eigene Bearbeitungsschritt wäre messbar, vom Wareneingang im Lager über die Prüfung bis zur Auslösung der Gutschrift. Wie viele Stunden davon im eigenen Haus verstreichen und wie viele in der Bankenkette, könnte jeder Händler ausweisen. Ein österreichischer Shop, der diese Aufschlüsselung veröffentlicht, ist nicht bekannt.

Ob Acquirer ihren Vertragshändlern überhaupt Auswertungen zur Dauer von Gutschriften bereitstellen, ist öffentlich nicht dokumentiert und dürfte sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden. Eine Erhebung, die solche Daten für den österreichischen Markt einsammelt, existiert nicht.

Das Smartphone macht die Wartezeit sichtbar

Das Smartphone macht die Wartezeit sichtbar

Die Ausgaben über Smartphone und Tablet stiegen laut derselben Studie von 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 5,4 Milliarden Euro 2026, ein Zuwachs von 32 Prozent. Vier von fünf Onlineshoppern recherchieren mobil, sieben von zehn schließen den Kauf dort ab.

Wer mobil bezahlt hat, sieht die Rückbuchung in derselben Anwendung, in der die Bestellung ausgelöst wurde. Kontobewegungen erscheinen als Push-Nachricht, oft binnen Sekunden nach der Buchung. Länger wird die Wartezeit dadurch nicht, sichtbarer schon. Ein Kunde, der die Gutschrift eines anderen Shops nach zwei Tagen im selben Banking-Feed gesehen hat, hat einen Vergleichswert, auch wenn ihn keine Studie erhebt. Dieser Wert entsteht ohne Zutun des Händlers und lässt sich von ihm auch nicht korrigieren.

Kommentare geschlossen

Next Article:

0 %